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Von-Axen-Straße

Barmbek-Süd (1907): Otto von Axen (26.6.1757 Hamburg – 7.12.1831 Hamburg), Oberalter. Kaufmann, Inhaber einer Handlung von Kunst- und Industrie-Erzeugnissen.


Siehe auch: Heytwiete

Otto von Axen war der Sohn von Catharina Maria von Axen, geborene Albers und des Kaufmanns Jacob von Axen, der den „größten Handel mit Glas, Möbeln und Porzellan in Hamburg“ 1) führte.

Seine jüngere Schwester war die Dichterin Engel Christine von Axen, verheiratete Westphalen (8.12.1758 Hamburg – 10.5.1840 Hamburg). Nach dieser bedeutenden Frau ist allerdings noch keine Straße in Hamburg benannt worden.

Engel Christine von Axen erhielt durch ihre Mutter eine sorgfältige Bildung. Sie interessierte sich schon früh für Fremdsprachen und widmete sich dem Schreiben von Gedichten, unterstützt durch ihre Mutter und deren Beichtvater und geistigen Mentor Pastor Christoph Christian Sturm, der Engel Christines Talent erkannt hatte.

1897 heißt es, ganz dem damaligen Rollenbild der Frau entsprechend, in der Allgemeinen Deutschen Biographie über Engel Christine Westphalen: „Sie zeigte schon früh Neigung und Sinn für Kunst und Wissenschaft, die sie eifrig pflegte, erhielt aber auch eine tüchtige Bildung in den Arbeiten der Hauswirthschaft, der sie sich besonders nach dem Tode des Vaters mit anzunehmen gezwungen war. Ihre Mußestunden aber widmete sie mehr denn je der Poesie, (…). Aber wenn sie gleich bis in die letzten Tage ihres Lebens der Dichtkunst zugethan blieb, so war sie doch, wie allseitig gerühmt wird, dabei stets eine sorgsame Hausfrau und Mutter und eine Wohlthäterin im besten Sinne des Wortes.“ 2)

1785 heiratete Engel Christine von Axen den Kaufmann und späteren Senator Johann Ernst Friedrich Westphalen (1757-1833), ein Jugendfreund ihres Bruders Otto von Axen. Er war Mitinhaber des Welthandelsunternehmens Rücker & Westphalen. Das Paar bekam fünf Kinder, zwei von ihnen starben im Kindesalter. In ihrem Haus an der Großen Reichenstraße 42 und in ihrem Landhaus in Billwerder trafen sich regelmäßig Hamburger Persönlichkeiten wie Johann Georg Büsch, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (siehe: Tischbeinstraße), Johann Gottfried Gurlitt (siehe: Gurlittstraße). Während der Französischen Revolution war hier ein Sammelpunkt für französische Flüchtlinge. So beherbergte das Ehepaar Westphalen Louis-Philippe, der später französischer König werden sollte.
Der Zeitgenosse Johann Georg Rist (siehe: Riststraße) beschrieb das Ehepaar, zu dessen Gesellschaften im Landhaus der Familie Westphalen in Billwerder er öfter eingeladen war: "Höchst artig war der Kontrast zwischen dem durchaus weltlich gesinnten, prosaisch rüstigen, tätigen, wohlbeleibten und sinnlichen Gatten und zwischen der feinfühlenden, auf eine andere Art begeisterten, wenn gleich im Hauswesen nicht weniger praktischen Dichterin. Das Ganze aber machte sich leicht und angenehm. Jeder fand was er suchte, die Unterhaltung wählte jeder, die Bewirtung war vortrefflich und es saß und schwartzte sich gut unter den hohen Kastanien, die das Gasthaus umgaben. Spazierfahrten auf der vorüberfließenden Bille wechselten mit Spazierritten und führten nach näheren und entfernteren Gegenden ab." 3)

Ihre ersten Dichtungen veröffentliche Engel Christine Westphalen unter dem Pseudonym Angelika. Ab 1802 wurde sie mit ihrer Dichtkunst bekannt. Sie schrieb aus den Erzählungen, die ihr über die Französische Revolution zugetragen worden waren und deren Inhalte sie abstießen, u. a. eine Tragödie über Charlotte Corday (1804). Diese hatte 1793 den Präsidenten des Jakobiner-Klubs und Abgeordneten des Convent National, Jean-Paul Marat erstochen, wofür sie guillotiniert wurde. Napoleon verbot damals "die literarische Darstellung dieses Ereignisses. Deutschland unterlag jedoch nicht Napoleons Gesetzen, und Westphalen fürchtete sich vor nichts. Sie schrieb ein Drama in fünf Akten über Corday, das sie anonym veröffentlichte und ihr Autorenschaft geheim hielt. Goethe war empört, als er erfuhr, dass Westphalen dieses Werk verfasst hatte. Goethe verurteilte ihr Werk öffentlich. Er erklärte, dass sie besser Röcke zu Hause gestrickt hätte, anstatt ein solches Drama zu schreiben. (...). Westphalen schuf ein Werk, das zu einem Meilenstein des Genres wurde. Sie beleuchtete alle Facetten der Persönlichkeit der Mörderin – ein Ansatz, der vorher nicht verwendet wurde. Täter und Kriminelle wurden bisher lediglich als stumme Akteure dargestellt", 4) schreibt Felix Schmidt in seinem Porträt über die Schriftstellerin Engel Christine von Westphalen.

Erst ab 1809 veröffentlichte sie unter ihrem eigenen Namen. Zu einigen Gemälden des Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein schrieb sie Gedichte. Sie wurde von ihm auch gemalt. Ebenso malte sie der französische Porträtmaler Jean-Laurent Mosnier (Hamburger Kunsthalle).

Doch Engel Christine von Westphalen soll: „als Mutter von fünf Kindern [hatte sie] nur noch wenig Zeit für ihre geliebte Lektüre oder gar das eigene Dichten [gehabt haben]. Sie soll die Zeit beim stundenlangen Frisieren dazu genutzt haben.“ 5)

Auch auf sozialem Gebiet engagierte sich die Schriftstellerin. So erhielt Engel Christine von Westphalen 1815 die der Bürgertugend gewidmete goldene Gedenkmünze der Patriotischen Gesellschaft.

Otto von Axen absolvierte eine kaufmännische Lehre und trat dann in das väterliche Geschäft ein. Nachdem sein Vater gestorben war, übernahm er 1773 gemeinsam mit seinem Bruder Philipp das Unternehmen.1787 heiratete er die Senatorentochter Luise Magdalene Elisabeth Westphalen (8.6.1766 Hamburg - 30.3.1829 Hamburg) und hatte mit ihr sieben Kinder. 1814 wurde er in das Kollegium der Oberalten gewählt und gehörte diesem bis zu seinem Tode an. 1784 wurde er Freimaurer der Hamburger Loge „Absalom zu den drei Nesseln“. Von 1792 bis 1804 war er dessen Meister vom Stuhl. Von 1816 bis 1824 hatte er das Amt des deputierten Großmeisters der "Großen Loge zu Hamburg" inne und verwaltete gemeinsam mit Bürgermeister Johann Heinrich Bartels (siehe: Bartelsstraße) die „wohltätigen Kranken-Institute“ des Freimaurer-Ordens. 6) Otto von Axen war auch an der Gründung des "Instituts für weibliche Kranke" beteiligt, das von der Loge errichtet wurde. Dazu schreibt Ariane Smith: Otto von Axen: „entwarf mit den Ärzten (...) Hospitalstatuten, die auch publiziert und viel gelobt wurden, und wurde zusammen mit seinem engen freund, dem Schauspieler und Theaterprinzipal Friedrich Ludwig Schröder, Vorsteher dieser ersten Entbindungsklinik in Hamburg, 1806 übernahm von Axen zusätzlich die Aufsicht über die städtischen Hospitäler sowie 1810 auch über die des Militärs.“7)

„Besondere Achtung der Hamburger erwarb er sich in der Hamburger Franzosenzeit (1806–1814), als die Hansestadt unter französischer Besatzung und Eingliederung in das französische Kaiserreich litt. Während der Gewaltherrschaft übernahm er den undankbaren Posten eines Maire-Adjoints (1811–1813) (...). Den Orden der Ehrenlegion, der ihm in diesem Zusammenhang von der Besatzungsmacht verliehen werden sollte, lehnte er ab. Während der Belagerung der Stadt wich er in das benachbarte Altona aus. Dort bemühte er sich, als Präsident eines Hülfsvereins die Not vertriebener und geflüchteter Hamburger zu lindern. Nach der Befreiung Hamburgs 1814 kehrte in die Stadt zurück und wurde in das – nach der Verfassung erste – bürgerschaftliche Kollegium der Oberalten gewählt.“ 8)

Otto von Axen interessierte sich auch für Literatur und Philosophie und engagierte sich besonders für das Stadttheater am Gänsemarkt. So kümmerte er sich in seinen letzten Lebensjahren z. B. um dessen desolate Finanzen. Direktor des Stadttheaters war damals Jacob Herzfeld. Dieser war der Vater von Theodore Herzfeld (5.10.1797 Hamburg – 30.12.1893 Gotha), die – wie ihr Vater und ihre Mutter Karoline Herzfeld, geb. Stegmann - Schauspielerin wurde. Theodore Herzfeld heiratete den Sohn von Otto von Axen, den Kaufmann und Steuereinnehmer Otto Siegmund von Axen (1791-1853). Theodore von Axen arbeitete bis zu ihrer Verheiratung im Jahre 1821 als Schauspielerin.